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Erster Brühler Inklusionsbeirat steht in den Startlöchern – Silke Katzfuß und Ralf Bauer über ihren bisherigen Weg zur Gründung

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Erster Brühler Inklusionsbeirat steht in den Startlöchern – Silke Katzfuß und Ralf Bauer über ihren bisherigen Weg zur Gründung

Dieses Interview erscheint im Rahmen der Kampagne „#DeinRatZaehlt!“ und wurde vom Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben Köln geführt.

Silke Katzfuß und Ralf Bauer sind köperbehindert und leben im rheinischen Brühl. Seit Ende 2018 sind beide Mitglieder des „Arbeitskreises Inklusionsbeirat“, der die Gründung des ersten Brühler Inklusionsbeirates vorbereitet.

Wie kam es dazu, dass Sie sich für die Gründung eines Inklusionsbeirats Inklusionsbeirat engagieren?

Silke Katzfuß: Als sich meine MS verstärkte, habe ich erstmal gemerkt, wie viele Stufen es eigentlich in meiner Stadt zu überwinden gibt. Auf wie viele Arten Menschen eigentlich behindert werden. Ein Schlüsselerlebnis war ein Termin im Rathaus, der aufgrund eines fehlenden Aufzugs mitten im Foyer stattfinden musste, von Diskretion keine Spur!

Ralf Bauer: Bei mir war das eher ein schleichender Prozess. Ich habe mir ab und zu gedacht: das läuft nicht so gut und dies müsste unbedingt verbessert werden. Mit der Zeit kam da schon so einiges zusammen. Ich bin kein Mensch, der einfach nur meckert, ohne etwas zu tun. Daher wollte ich aktiv werden und ein Inklusionsbeirat erschien mir als der passende Ort.

Silke Katzfuß fährt draußen in ihrem Rollstuhl durch. An der Wand befindet sich ein Graffitti. Es steht dort: Voller Energie.

Silke Katzfuß

Wie gestaltet sich die Gründung des Inklusionsbeirats in Brühl?

Ralf Bauer: Ende 2018 gab es eine Veranstaltung für Interessierte von der LAG Selbsthilfe NRW und dem KSL Köln. Das war ein guter Termin und hat Lust gemacht, die Sache zu starten. Im Frühjahr 2019 hat sich dann ein Kreis von ca. 15 Menschen mit verschiedenen Behinderungen zusammengefunden und wir haben mit der Erarbeitung der Satzung begonnen. In Zusammenarbeit mit der Stadt ist dies nun soweit abgeschlossen und wir fiebern den Kommunalwahlen 2020 entgegen, um endlich starten zu können.

Wie sehen Arbeitsweise und Zusammensetzung der Vorbereitungsgruppe aus?

Silke Katzfuß: Wir haben uns regelmäßig alle sechs Wochen getroffen, um Dinge, wie die Satzung oder anderes, in der großen Gruppe zu besprechen. Dann kam uns Corona in die Quere, da die meisten Mitglieder auch besonders gefährdet sind. Aber wir haben uns mit regelmäßigem Austausch per E-Mail und jetzt auch mit Videokonferenzen beholfen.

Ralf Bauer: Bei uns sind viele Arten von Behinderung vertreten, was wir auch sehr wichtig finden. Hier arbeiten Menschen mit kognitiven Einschränkungen, mit Körperbehinderung, mit Sehbehinderung und mit Hörbehinderung zusammen, um die Teilhabe von Menschen in Brühl zu verbessern.

Silke Katzfuß: Diese Vielfalt ist auch eine Herausforderung. Wir müssen sicherstellen, dass wir gut miteinander kommunizieren und dass alle Mitglieder alles verstehen. Denn nur, weil ich zum Beispiel Schwierigkeiten habe, jemanden zu verstehen, heißt das ja nicht, dass er oder sie nichts Wichtiges zu sagen hat! Wir machen uns viele Gedanken um Kommunikation, damit alle verstanden und gehört werden.

Ralf Bauer lächelt in die Kamera.

Gibt es Erlebnisse, die Sie besonders motiviert haben? Und gibt es auch welche, die Sie vielleicht demotiviert oder geärgert haben?

Silke Katfuß: Die Motivation liegt im Tun und was wir Schritt für Schritt erreichen. Gerade in der Zusammenarbeit mit der Stadt haben wir uns schon gut Gehör verschafft. Und das ist eine Entwicklung, die Mut macht, den Weg weiter zu gehen – langsam, aber stetig. Unsere Position muss sich noch festigen. Wir sind dabei uns Kommunikation und Kooperation auf Augenhöhe zu erarbeiten.

Ralf Bauer: Natürlich werden wir nicht von allen mit offenen Armen empfangen. Im Bereich Bewusstseinsbildung ist noch viel zu tun. Denn nur, weil es den Beschluss für einen Inklusionsbeirat gibt, schreien ja nicht alle „Hurra!“. Vielen fehlt einfach die Einsicht oder die Fähigkeit die Perspektive zu wechseln. Umso wichtiger ist es, dass wir als Menschen mit Behinderung unsere Angelegenheiten authentisch selbst vertreten.

Welche Gedanken haben Sie, wenn Sie an die zukünftige Arbeit des Inklusionsbeirats denken?

Silke Katzfuß: Ich war früher eine Einzelkämpferin. Meine große Hoffnung ist es, dass wir es gemeinsam schaffen, gehört, ernstgenommen und einbezogen zu werden. Ich finde, wir haben sehr viel erreicht, wenn die Barrierefreiheit bei zukünftigen Entscheidungen automatisch mitgedacht wird und keine Besonderheit mehr ist. Die Frage „Müssen wir das denn überhaupt machen?“ sollte sich in Zukunft nicht mehr stellen.

Ralf Bauer: Ich lebe sehr gerne in Brühl, deswegen will ich aktiv dabei mithelfen, meine Stadt inklusiv für alle Menschen zu gestalten. Gemeinsam geht das! Im Inklusionsbeirat kann ich meine persönlichen Stärken einbringen und andere Menschen mit Behinderung können ihre individuellen Stärken und Sichtweisen mit einfließen lassen. Als Team wollen wir ein wachsamer Ansprechpartner auf Augenhöhe sein.

Was würden Sie interessierten Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen, die sich gerne in der Kommunalpolitik engagieren möchten, empfehlen?

Silke Katzfuß: Gute Nerven, einen langen Atem und eine professionelle Distanz. Damit meine ich, die Unwissenheit und gelegentliche Ignoranz, die einem in der Arbeit begegnen, nicht an sich heranzulassen. Sich als Wegbereiter*in zu sehen und den Mut nicht zu verlieren. Dabei hilft ein Team ungemein. Der Austausch und die gegenseitige Unterstützung sind für mich sehr wertvoll.

Ralf Bauer: Bei allen Hürden ist es entscheidend, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren! Außerdem immer an die Öffentlichkeitsarbeit denken, um die Zahl der Mitstreiter*innen stetig zu vergrößern.

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