Schriftgröße:
Farbkontrast:
Warum muss es für die politische Partizipation von Menschen mit Behinderungen besondere Regeln, ein Projekt usw. geben?

Politische Partizipation Passgenau!

zum Projekt

Warum muss es für die politische Partizipation von Menschen mit Behinderungen besondere Regeln, ein Projekt usw. geben?

Die Beteiligung, oder auch Teilhabe, von Menschen mit Behinderungen am Leben in der Gemeinschaft und auch am politischen Leben hat in Deutschland noch keine (lange) Tradition.

Im Gegenteil: Wir haben eine lange Tradition der Fürsorge und Exklusion. Das heißt, Menschen mit Behinderungen haben von anderen abgegrenzt in Sondereinrichtungen gelebt, ihre Schulzeit verbracht und gearbeitet. Vielfach trifft das auch heute noch zu. Menschen mit Behinderungen und ihre Belange wurden seitens der politischen Entscheidungsträger*innen nicht bedacht.

Daher hat sich ein Gemeinwesen entwickelt, dass nur an die Bedürfnisse der „Mehrheitsgesellschaft“ angepasst ist. Man kommt in diesem Gemeinwesen also gut zurecht, wenn man z.B. sehen, hören und gehen kann und auch die kognitiven Fähigkeiten im Normbereich liegen.

Ist dem nicht so, stehen vielfach Barrieren im Weg, welche die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben behindern. Solche Barrieren sind z.B. für Menschen mit Lernschwierigkeiten schwer verständliche Sprache, für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen der Umstand, dass viele Informationen nur visuell zur Verfügung gestellt werden (z.B. Straßen- und Hinweisschilder), für hörbeeinträchtigte und gehörlose Menschen Kommunikationsbarrieren (z.B. durch fehlende Gebärdensprachdolmetscher*innen) sowie für Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigungen bauliche Barrieren (z.B. Treppen oder hohe Bürgersteige). Oft sind es aber auch einstellungsbedingte Barrieren, die „Barrieren in den Köpfen“, die die Teilhabe behindern. Damit gemeint sind Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen (z.B. ein Unterscheiden in „wir“ und „die Anderen“ und daraus resultierende Stigmatisierungen, Ängste und Unsicherheiten im Umgang miteinander, usw.).

Diese Ausgangslage muss sich ändern, sodass in der Zukunft die Kommunen den Bedürfnissen aller Menschen entsprechen und alle Menschen dort gut leben können. Um das zu erreichen, braucht es ein Umdenken in der Kommunalpolitik, denn dort werden die Entscheidungen getroffen, die für die Ausgestaltung der Kommunen maßgeblich sind.

Die bisherigen kommunalpolitischen Strukturen enthalten jedoch Barrieren, die eine wirksame Beteiligung von Menschen mit Behinderungen verhindern. Diese müssen durch entsprechende Änderungen und Vorkehrungen überwunden werden. Die Bedarfe von Menschen mit Behinderungen sind ihnen selbst am besten bekannt, sodass passende und günstige Lösungen in der kommunalen Planung nur mit ihrer Expertise gefunden werden können.

Um dieses Umdenken in der Politik zu unterstützen und die politische Beteiligung von Menschen mit Behinderungen zu ermöglichen, braucht es besondere Regeln, Strukturen und Projekte.

Und: Menschen mit Behinderungen „müssen aktiv in politische Prozesse einbezogen werden, weil eine inklusive Gesellschaft ohne ihre Kompetenzen und Erfahrungen nicht erreicht werden kann. Partizipation an politischen Prozessen zu ermöglichen bedeutet, menschenrechtliche Anforderungen zu erfüllen. Nicht zuletzt kann und soll Partizipation dazu beitragen, die Qualität der Maßnahmen zu verbessern und die Akzeptanz von politischen Entscheidungen zu erhöhen.“[1]

[1] Kroworsch, Susann (Hrsg.: Deutsches Institut für Menschenrechte) (2019): Analyse. Menschen mit Behinderungen in Nordrhein-Westfalen. Zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in den Bereichen Wohnen, Mobilität, Bildung und Arbeit, S. 10.

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

Datenschutz-Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen