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Wie kann man Menschen mit Behinderungen für die kommunalpolitische Arbeit gewinnen?

Politische Partizipation Passgenau!

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Wie kann man Menschen mit Behinderungen für die kommunalpolitische Arbeit gewinnen?

Aus der mehrjährigen Arbeit in den Kommunen Nordrhein-Westfalens wissen wir, dass das Thema Nachwuchsgewinnung eine typische Herausforderung für viele bestehende Interessenvertretungsgremien ist.

Sollen Strukturen neu eingerichtet werden, stellt sich ebenfalls oft die Herausforderung, genügend Selbstvertreter*innen für die politische Arbeit zu gewinnen.
Wir haben daher einige Tipps gebündelt:

 

Stärken Sie die örtliche Selbsthilfe von Anfang an! Die ortsansässigen Selbsthilfevereine, -verbände, -gruppen und –organisationen von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen tragen die örtliche politische Interessenvertretung. Aus ihnen rekrutieren sich – zumindest in großen Teilen – die Engagierten. Stärken Sie daher die Selbsthilfe, indem Sie ihr Wertschätzung entgegenbringen und sie bei der Wahrnehmung der politischen Interessenvertretung ermutigen, befähigen und finanziell unterstützen. Das erhöht die Chance, auch zukünftig das notwendige ehrenamtliche Engagement aufrecht zu erhalten.

 

Ermöglichen Sie niedrigschwellige Einstiege in die Vertretungsarbeit und eine barrierefreie Mitarbeit für alle! Alle Menschen mit Behinderungen bzw. chronischen Erkrankungen, die möchten, sollten die Möglichkeit haben, in der Interessenvertretung mitzuarbeiten. Gestalten Sie dabei den Einstieg und die Mitarbeit so barrierefrei wie möglich.

  • Stellen Sie – wenn möglich – die individuell für die Mitarbeit benötigte Assistenz und Unterstützung bereit. Wenn noch keine Möglichkeit des Nachteilsausgleiches besteht, werben Sie bei den politischen Vertreter*innen dafür, ein entsprechendes kommunales Budget im Zuge des nächsten Haushaltes bereitzustellen.
  • Achten Sie darauf, dass die Interessenvertretung für alle Menschen auffindbar, zugänglich und nutzbar ist – das betrifft z.B. die Bereiche barrierefreie Räumlichkeiten und barrierefreie Informationen.
  • In den Sitzungen sollte angemessen auf die unterschiedlichen Kommunikationsbedürfnisse eingegangen werden (Leichte Sprache, Sitzungsdauer, Kommunikationsassistenz, Dolmetscher*innen).
  • Für neue Mitglieder können sich auch Mentor*innen-Modelle anbieten, bei denen erfahrene Mitglieder die neuen Mitglieder in der ersten Zeit intensiver unterstützen und begleiten.
  • Für eine niedrigschwellige Mitarbeit eignen sich auch Möglichkeiten der themen- bzw. projektbezogenen Mitarbeit, bei der sich Interessierte nicht verpflichten für einen bestimmen Zeitraum bzw. umfassend mitzuarbeiten oder bestimmte Posten/ Ämter zu übernehmen. Eine solche Möglichkeit sind z.B. thematische oder anlassbezogene Arbeitskreise. Auch offene Veranstaltungen und Termine (z.B. Ortsbegehungen) eignen sich.
  • Ebenso können Weiterbildungsangebote zur politischen Arbeit einen Einstieg in die Vertretungsarbeit erleichtern.
  • Auch Angebote zur politischen Bildung in Kooperation mit den örtlichen Schulen und insbesondere den Förderschulen eignen sich zur Nachwuchsgewinnung.

Arbeiten Sie möglichst aktiv statt reaktiv! Damit ist gemeint, dass Sie in Ihrer Arbeit darauf achten sollten, möglichst eigene Themen auf die politische Agenda zu setzen. Legen Sie selbst fest, welche kommunalen Themen Ihnen zu welchem Zeitpunkt und in welchem Kontext wichtig erscheinen und wie Sie diese in der Interessenvertretung bearbeiten wollen. Eine solche aktive Arbeitsweise wirkt attraktiver für neue Mitglieder als eine reaktive Vorgehensweise, bei der Interessenvertretungen auf vorgegebene Themen aus Politik und/ oder Verwaltung warten. Sie führt auch dazu, dass die Menschen ihr Engagement länger aufrechterhalten.

 

Entwickeln Sie eine wirksame Strategie zur Öffentlichkeitsarbeit!

  • Setzen Sie Öffentlichkeitsarbeit aktiv und umfangreich ein, um neue Mitglieder zu gewinnen, über Ihre Aktivitäten zu berichten und Menschen zu sensibilisieren.
  • Setzen Sie auf möglichst breite Öffentlichkeitsarbeit, um möglichst viele verschiedene Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen zu erreichen, insbesondere auch Menschen, die (noch) nicht in der Selbsthilfe oder sonstigen Kontexten organisiert sind. Möglichkeiten sind z.B. Presseberichte, Mitteilungen, Radio- und TV-Beiträge, Homepage, Facebook, Twitter, öffentliche Veranstaltungen bzw. Info-Stände und besondere/ zeitlich begrenzte/ anlassbezogene Aktionen (zum Protesttag der Menschen mit Behinderungen, Stellungnahmen zu aktuellen politischen Entscheidungen, usw.).
  • Achten Sie in Ihrer Öffentlichkeitsarbeit darauf, dass die Informationen durch unterschiedliche Darstellungsformate barrierefrei sind.
  • Bauen Sie dauerhafte Kontakte zu Presse und Rundfunk auf und pflegen Sie diese.
  • Organisieren Sie inklusiv gestaltete Aktionen (Stadtfeste o.ä.), die zum einen die Interessenvertretung vorstellen und zum anderen für alle bewusstseinsbildend wirken.

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