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Bernd Kochanek

Bernd Kochanek

Bernd Kochanek, 60 Jahre, verheiratet, zwei erwachsene Kinder.

Die ersten Jahre meines Berufslebens habe ich in der Frühförderstelle der Diakonie in Dortmund verbracht. Dort bin ich kleinen Menschen mit Behinderung begegnet. Ich wusste bis dahin nichts über „Behinderung“ und die Lebenserschwernisse, die dies mit sich bringt. In Gesprächsgruppen mit den Eltern dieser Kinder habe ich einen tiefen Einblick bekommen, was es bedeutet, in der Familie mit einem, manchmal auch zwei Kindern mit Behinderung, den Alltag zu meistern.

Seit 1993 leite ich als Diplom-Pädagoge hauptberuflich einen Arbeitsbereich des ev. Kirchenkreises Dortmund, der die Mitarbeitenden von ev. Kindergärten, die Kinder mit Behinderung betreuen und fördern, mit zusätzlichen Fachkräften unterstützt und fachlich qualifiziert.

Zur Behinderten-Selbsthilfe bin ich durch die Dortmunder Elterninitiative gekommen, die von Frühförder-Eltern gegründet wurde und ab Mitte der 1980-er Jahre die inklusive Beschulung ihrer Kinder eingefordert hat und diese später auch durchsetzen konnte. Ich habe im Jahre 1986 die Geburtsstunde des Elternverbandes „Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen NRW“ miterlebt. Ich streite seitdem im politischen Raum dafür, dass Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Befähigungen und Lernweisen in gemeinsamen Schulklassen unterrichtet werden. Seit 2002 tue ich dies aus der Position des Vorsitzenden von Gemeinsam Leben NRW. Wir verstehen uns heute als Inklusionsfachverband.

Für mich ist es wichtig, dass Menschen mit Behinderung ihre notwendige Unterstützung in ihrem alltäglichen Lebensumfeld erhalten. Nur so können sie ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben in der Gesellschaft führen. Nicht-Diskriminierung im Sinne von Artikel 3 Grundgesetz heißt für mich schon lange vor der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention: Unterstützung der sozialen Inklusion von Menschen mit Behinderung in ihren alltäglichen Lebensumfeldern und Förderung ihrer Kompetenzen für ein Leben in Gemeinschaft mit Menschen ohne Behinderung.

Das Arbeits- und Sozialministerium hat mich 2012 in den ersten Inklusionsbeirat des Landes Nordrhein-Westfalen berufen, dem ich auch in der zweiten Legislatur weiter angehöre. Mein zentrales Thema ist die inklusive Bildung in Frühförderung, Kindergärten und Schulen bis hinein in die Arbeitswelt. In den Bildungseinrichtungen kann Teilhabe und Selbstbestimmung von kleinen und großen Menschen mit Behinderung gelebt werden. Da ist der Ort, wo der Blick von den äußerlichen Defiziten des Menschen auf ihre Stärken hin gelenkt werden. Wenn Menschen sich gegenseitig als kompetent wertschätzen, ist dies m.E. die beste Grundlage für ein inklusives Zusammenleben in der Gesellschaft.

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