DSB-Expertin sensibilisiert Arztpraxen für die Kommunikation mit schwerhörenden Menschen

Worauf sollten Arztpraxen im Austausch mit hörgeschädigten Patient*innen achten? Zu diesem Thema hat Ulrike Kolar ein spezielles Schulungskonzept entwickelt, über das das Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben für den Regierungsbezirk Münster in einem aktuellen Beitrag berichtet (www.ksl-muenster.de/de/node/6675). Die 66-Jährige ist nach mehreren Hörstürzen Anfang der 1990er Jahre selbst betroffen und ehrenamtlich für den hiesigen Landesverband des Deutschen Schwerhörigenbundes (DSB) aktiv – einem von rund 130 Mitgliederorganisation der LAG Selbsthilfe NRW.
In ihrer Heimatstadt Beckum stieß Ulrike Kolar mit ihren kostenlosen Seminaren bereits auf großes Interesse und konnte die teilnehmenden Ärzt*innen und Mitarbeitenden erfolgreich mit ihren Tipps für eine gelungene Kommunikation sensibilisieren. Dabei geht sie zunächst auf die verschiedenen Behinderungsarten ein und vermittelt den Teilnehmenden durch die Simulation mit einem Stethoskop, an dessen Ende ein Hörgerät angebracht ist, auch ganz praktische Aha-Erlebnisse.
Um Missverständnissen und Unsicherheiten vorzubeugen, rät Ulrike Kolar Praxisteams zum Beispiel …
- im Gespräch einen Abstand von etwa 1 bis 1,5 Metern zu halten,
- durch eine gute Raumbeleuchtung das Absehen vom Mund zu ermöglichen,
- in kurzen, einfachen Sätzen langsam und deutlich in normaler Lautstärke zu sprechen,
- durch das Schließen von Fenstern und Türen sowie das Stumm- oder Ausschalten von Telefon, Radio, Tablet & Co. Hintergrundgeräusche zu reduzieren,
- mit Papier und Stift wichtige Informationen zum Nachlesen zu notieren,
- einen Hörverstärker oder eine App einzusetzen, die das gesprochene Wort unmittelbar verschriftlicht,
- sowie unter Umständen eine Schriftdolmetschung bei der zuständigen Krankenkasse zu beantragen.
Da allein in Nordrhein-Westfalen schätzungsweise rund 3,2 Millionen Menschen hörbeeinträchtigt sind und diese Zahl durch die Alterung der Bevölkerung voraussichtlich weiter steigen wird, soll das Angebote zunehmend ausgebaut werden. So würden unter anderem auch Krankenhäuser und Pflegekräfte, aber auch Feuerwehr, Polizei, Behörden oder Arbeitgeber von den kostenfreien Workshops profitieren, für die lediglich eine Übernahme der Reisekosten anfällt…
Andrea Temminghoff